Der Buschfunk

 

Das Klosett

Das erste „Wasserklosett“ wurde 1775 vom schottischen Erfinder Alexander Cumming erfunden. Darauf folgten weitere Jahrzehnte bis Gazeneuve et Companie im 19. Jahrhundert in Paris einen geruchlosen Abtritt erfand.

Demnach war die Erfindung der Toilette geprägt von klugen wissenschaftlichen Köpfen, jedoch nur von Männern. Die Frau befand sich zu jener Zeit in einer passiven Rolle der Gesellschaft. So wurde der Ansatz der Toilette bis in das 21. Jahrhundert von den vorherigen Erfindern übernommen und ausgebaut. Zahlreich wurden die hygienischen Vor- und Nachteile von diversen Toilettensystemen aufgezeigt. Die jüngste Diskussion richtet sich speziell auf das Thema der Transgender-Toiletten. Jedoch wurde die Praktikabilität der Toiletten im geringen Maße angesprochen.

 

Im Jahre 2001 wurde in Singapur die World Toilet Organisation vom Unternehmer Jack Sim gegründet, die sich mit den hygienischen Standards und der Verbreitung von nutzbaren Toiletten beschäftigt. Hygiene und allgemeine sanitäre Einrichtungen sind ohne Zweifel relevante Angelegenheiten für das Leib und Wohl eines Menschen. Der Aufbau der Toiletten wiederum wurde speziell für Frauen außer Acht gelassen. 

Öffentliche Toiletten sind für Frauen eine Bürde. Nicht nur, dass es oft zu wenige Toiletten gibt und diese die nicht ausreichend mit Toilettenpapier ausgestattet sind, es ist vielmehr die Konstruktion der Toilette. Sicherlich, eine normale saubere Toilette bietet eine angenehme Sitzmöglichkeit, jedoch sind öffentliche Toiletten selten sauber. Also muss Frau sich anders helfen. Dabei wurden schon die unterschiedlichsten Positionen erfunden, um nicht mit den Fäkalien der VorgängerInnen in Berührung zu kommen. Keine dieser Positionen ist bequem oder lässt die Notdurft in einer angenehmen Art bewältigen. 

Zweckmäßige Toiletten sind eine Notwendigkeit und ein grundsätzliches Menschenrecht. Das Verrichten der Notdurft gehört zu den ersten Grundbedürfnissen. Nach der Wanderausstellung der German Toilet Organization (GTO) „Sanitation is Dignity“ bedeutet Toilette auch gleich Würde. 

Da stellt sich die Frage, wie würdevoll die Konstruktion von öffentlichen Toiletten ist. Schwer lässt die Blase sich entspannen, wenn Frau sich nach hinten beugt und dabei einen bestimmten Abstand zur Toilette wahren muss. Außer auf Toiletten für Menschen mit Behinderung gibt es sonst keine Vorrichtung, an der man sich halten könnte, um damit die Last von den Oberschenkeln zu nehmen. Auf die Toilette stellen ist eine andere Option, allerdings ist die Trefferquote hierbei sehr gering.

Die neuste Erfindung, vor allem auf Festivals, ist die Urinella. Oval, Praktisch und gewöhnungsbedürftig. Jedoch kann Frau nicht immer zu genüge Urinellas mitnehmen und diese sind zudem durch den Materialverbrauch schlecht für die Umwelt. Hinzu kommt, dass es als Frau doch recht unangenehm ist sich an das Pissoir zustellen und dabei entspannt zu wirken, während rundherum Männer sind, denen die Situation auch ungewöhnlich vorkommt.

Im Falle des Falles, dass eine öffentliche Toilette sauber gehalten wurde und Frau sich hinsetzen kann, werden beim Wasserlassen Bakterien von der Innenseite der Toilette hochgespritzt, die sich im Genitalbereich festsetzen können.

Frauen tragen meistens eine Handtasche mit sich oder müssen sich für den Toilettengang weitaus mehr entkleiden als Männer. Auf Toiletten gibt es jedoch oft keine Kleiderhaken, an die Frau kurz ihre Sachen hinhängen könnte. Während es auf Männertoiletten im Pissoir mittleierweile Fußballtore gibt, welche die Trefferquote steigern sollen, gibt es für Frauen nicht einmal kleine Haken um bequem die Notdurft zu verrichten.

Das Problem mit den Handtaschen und Latzhosen
Wie zu erkennen ist, ist die heutige Toilettenkonstruktion nicht für Frauen geschaffen. Dabei lässt sich fragen warum bis zum 21. Jahrhundert die Thematik einer würdevollen Handhabung von öffentlichen Toiletten für Frauen und für Männer nicht aufgeworfen wurde.

Wir müssen keine komplizierten Vorrichtungen mit Wasserdrüßen bauen, wie es in Japan der Fall ist. Primär geht es erstmal darum, einfach und effektiv Toiletten zu konstruieren, die eine bequeme Benutzung garantieren. 

Nach dem Premierminister Singapurs Goh Chok Tong sagt der Zustand der öffentlichen Toiletten eines Landes einiges über das soziale System aus. So stellt sich die Frage, welches System haben wir hier in Deutschland oder in Europa. Von außen erkennen wir das Bild eines gleichberechtigten politischen und gesellschaftlichen Systems, das mit einem Blick hinter die Toilettentür schnell wieder verfällt.  Dabei sagt das Grundgesetz schon: 

Art. 3 Abs. 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ 

Öffentliches Urinieren ist verboten! Jedoch setzten sich die Menschen häufig über diese Regel hinweg. Vor allem für Männer ist es einfach, kurz an den Baum, Schlitz auf und fertig. Die Frau muss hingegen einen guten Ort finden, an dem sie nicht gesehen wird und muss die gesamte Hose herunterziehen. In dieser Situation ist die Frau schutzlos der Öffentlichkeit ausgeliefert. Da es oft keine öffentliche Toilette gibt, ist der Drang nach Wasserlassen also immer mit der Suche nach einem geeigneten Sitzplatz verbunden. Öffentliche Toilette sind zudem mit einer Benutzungsgebühr von 50 Cent bis zu 1 € versehen. Für Frauen ist der Toilettengang in der Öffentlichkeit demnach mit einem Kostenaufwand verbunden. So sollte die Anzahl der öffentlich freizugänglichen Toiletten in Deutschland ebenfalls überdacht werden. 

Die Welt braucht würdevoll benutzbare Toiletten, in der jeder nach eigenem Maß entscheiden kann, ob die Vorrichtung für die eigenen elementaren Bedürfnisse angepasst ist.

Ein weiterer positiver Zweck dieser Toilettenkonstruktion ist, dass der Mythos von der Frau, die nicht flatuiert und defäkiert, zur Vergangenheit wird. Das Zurückhalten von Gasen und Stuhlgang außerhalb ihres passiven Lebens ist für viele Menschen eine gesundheitliche Belastung.

Mit genderneutralen Toiletten, in denen ein jeder eine bequeme Position einnehmen kann, ist es Frauen und auch Männern erlaubt bequem ihre Notdurft zu verrichten. Wenn dabei Geräusche oder Gerüche entstehen, dann ist das ein normaler Prozess, der durch diese Öffentlichkeit als normaler Vorgang etabliert werden kann. Andererseits wird Männern, um unzulässig verallgemeinernd zu werden, der Mythos Frauentoilette erklärt. Der Mythos soll zur Normalität werden. 

Wir fordern eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Körperfunktionen aller Geschlechter und den sozio-kulturellen Normen hinter gesellschaftlicher Etikette.